Kritiken - Der neue Merker
LINZ - LA CENERENTOLA - PREMIERE AM 5.2.2011
Solche Sternstunden gibt es nicht alle Tage! Seufz! Sie sei – so die
aus Italien stammende Regisseurin Adriana
Altaras – beim Pressegespräch, eigentlich gar nicht temperamentvoll. Nein, denke ich bei mir, als ich sie ansehe, sie sprüht nur
Funken! Diese Italianità zieht sich wie ein roter Faden durch die rasante Inszenierung und färbt sogar auf das Publikum ab. Der orkanartige Applaus hört überhaupt nicht auf, keiner will den Zuschauerraum
verlassen.
Für Bühne und Kostüme ist Yashi Tabasomi verantwortlich. Sie hat dabei sehr viel
Geschmack bewiesen. Ein Bezug zu Freud´scher Traumdeutung (es gibt sogar ein rotes Sofa) findet sich ebenso wie zu Alice im Wunderland. Passend allemal.
An der musikalischen Interpretation hätte Rossini wohl seine Freude gehabt.
Maestro Marc
Reibel schwingt den Taktstock mit viel Verve, ich sehe ihn von meinem Platz aus manchmal sogar von vorne, weil auf der Bühne
zeitweilig große Spiegel stehen. Dass manches zu laut klingt, na ja, wir wissen längst, dass es mit der Akustik nicht immer zum Besten steht. Punktum! Gesungen wird selbstverständlich
Italienisch, und zwar von einer Wortdeutlichkeit, dass es eine wahre Freude ist!
Alle Register ihres Könnens – im wahrsten Sinne des Wortes –
zieht Katerina Hebelkova als
Cenerentola! Mit ihrem samtigen Mezzo reißt sie das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hin!
Heide Müller
Süddeutsche Zeitung vom 01. März
2004
München: Bellinis "Capuleti" in der Reaktorhalle
"Alesja Miljutina ist eine mädchenhafte Julia, im Lyrischen voller Charme und Anmut. Im Duett mit Katerina Hebelkova jedoch vertritt sie die Haltung des spitzen Zweifels, jene die dunke Glut der
Liebe. Hebelkova, Jahrgang 1978, ist eine perfekte Mezzosopranistin. Ihre Stimme ist voll von natürlicher Kraft und Schönheit, spricht im ganzen Stimmbereich gleichmäßig klar und selbstverständlich
an, sie ist nie überlastet, auch wenn sie in der Halle herumläuft, einen männlichen Gegner verdrischt und sich gleichzeitig Bellinis Exaltiertheiten widmet. Und spielen kann sie auch noch, ohne
Manier oder Pose. Ein Star, bald. Sie muss nur noch den Rausch lernen, den Wahnsinn." (E.Tholl)
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The Rape of Lukretia 2007
Regisseur David Hermann zeigt präzise, worin eigentlich Lucretias Tragik besteht. Die militarisierte und brutalisierte Männerordnung der etruskischen
Schreckensherrschaft – für Britten ein Sinnbild der Barbarei des 20.Jahrhunderts – verurteilt Lucretia und ihre Gefährtinnen zu einer passiven, den Männern dienenden Daseinsweise. Bei Hermann sind
sie in von der Oberbühne herabreichenden Stoffbahnen eingeschnürt: Das Leben dieser Frauen verrinnt ungelebt im Verborgenen. Für ein solches Los ist die hochherzig liebende und sensitive Lucretia
charakterlich nicht bestimmt. Aber der Etruskerprinz Tarquinius (teilweise arg forcierend: James Bobby), der ihr die Fesseln aus Stoff löst, kommt nicht als Befreier, sondern als
Zerstörer.
Die Titelpartie wird von Katerina Hebelkova bis in die letzten seelischen Verästelungen hinein durchdacht und durchlebt. Ihr
Gesang ist glutvoll, ein ständiges inneres Beben, selbst die aschfahle Agonie der Schlussszene ist noch mit stärkster unterschwelliger Erregung aufgeladen. Von großartiger psychologischer
Eindringlichkeit ist das Changieren dieser Lucretia zwischen der Furcht vor dem Unheil von draußen und der Angst vor einer unbestimmten Erwartungshaltung tief im Inneren der eigenen
Seele.
Wird damit womöglich jene frauenverachtende Ideologie transportiert, die dem Opfer ein geheimes Einverständnis unterstellt? Keineswegs. Doch Hebelkova und Hermann
verdeutlichen eindrucksvoll das stille Ringen dieser Frau mit sich selbst um ihre Würde, ihre Menschlichkeit, um das Ethos ihrer Gattenliebe. Gerade das macht die Größe der Gestalt aus. Lucretias
Vergewaltigung nimmt Hermann schon mit der ersten Szene atmosphärisch vorweg, wenn Frustration, Sexualität und Gewalt unter den metallisch-maskenhaft verhärteten Generälen zu einem höchst aggressiven
und destruktiven Gemisch fusionieren.
Die Spielfläche, die Alexander Polzin über den Orchestergraben in den Zuschauerraum hineingebaut hat, holt das Stück aus der Ferne einer antiken Legende buchstäblich in
die Gegenwart zurück. So kann niemand auf die Idee kommen, das alles gehe uns heute nichts mehr an. Neue dramaturgische Funktionen erschließt das Bühnenbild den beiden Erzählern, die das Geschehen
aus christlicher Perspektive deuten. Hier stecken sie in den Gehörgängen gigantischer Ohrenskulpturen, die aus den Proszeniumslogen herauswuchern. Während die männliche Erzählerfigur Lucretias
Kreuzweg mit einem aus Sensationsgier und Erschrecken collagierten, ölig wirkenden Gehabe kommentiert, bleibt es dem weiblichen Part (eindringlich und klangschön: Marcia Parks) vorbehalten,
authentisches Mitleid für Lucretia auszudrücken. Thorsten Scharnke mimt und singt den Erzähler mit lustvoller Eloquenz. Einfach superb, wie Scharnke mit seinem reich schattierten Tenor fein dosierte
dynamische Steigerungen zelebriert!
Überhaupt versammelt diese Produktion ein Solistenensemble von hohem Rang. Fast alle Figuren sind optimal besetzt. Intensives, aufwühlendes, erkenntnismächtiges
Musiktheater mit starken jungen Sängerdarstellern – damit hat Oldenburg in letzter Zeit immer wieder auf sich aufmerksam machen können. Solistisch gefordert sind auch die 12 Instrumentalisten aus dem
Oldenburgischen Staatsorchester. Dirigent Olaf Storbeck und das Kammerensemble beschwören klangimaginativ Natur- und Seelenlandschaften, musizieren behutsam und doch passioniert ein
Ausdrucksspektrum, das von trocken-harten Tuttiakkorden bis zu ätherischen Motivpartikeln von höchster Suggestionskraft reicht.
Von der Aufbruchsstimmung in Oldenburg profitiert auch das Publikum, das die Premieren mit einer noch jedes Mal aufgeschlosseneren, wacheren und befreiteren Wahrnehmung
begleitet.
Christian Tepe
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Oldenburg
Massenet: Werther
Premiere am 10. Oktober 2008. Musikalische Leitung: Alexander Rumpf, Inszenierung: Elisabeth Stöppler, Bühne: Rebecca Ringst, Kostüme: Ingo Krügler,
Im Mittelpunkt der erfrischend unkonventionellen, fast immer aus dem Geist der musikalischen Bewegung heraus entwickelten Inszenierung stehen Daniel
Ohlmann und Katerina Hebelkova als Werther und Charlotte, in ihrer sympathisch-jugendlichen Ausstrahlung ein regelrechtes Traumpaar. Sein leicht geführter Tenor, der noch ohne alle melancholischen
Schluchzer und Drücker auskommt, klingt hell und klar; ihr warmer, voller Mezzo bildet dazu ein gefühlsintensives Pendant.
Zu einer weiteren zentralen Figur wird James Bobby, gesanglich überzeugender als in seinen bisherigen Oldenburger Partien; in dieser Inszenierung ist
Albert nicht der übliche kalte Zyniker. Sarah Papadopoulou schafft einen gelungenen stimmlichen Spagat zwischen der fröhlich trällernden Sophie und dem bedeutungsvoll-elegischen «My Baby Shot Me
Down» der «Dame in Schwarz». Dazu eine eher auf kammermusikalische Faktur hin angelegte Wiedergabe der Partitur durch Alexander Rumpf und das Philharmonische Staatsorchester. Keine Sentimentalität,
nichts vom «Weichtonigen», das Oscar Bie einst dem Werk anlasten wollte. Vielmehr klare Strukturen und oftmals Zurücknahme des Klanggeschehens auf leise Töne, so dass die Sänger jederzeit das Terrain
zu beherrschen vermochten.
Gerhart Asche
WERK UND WIEDERGABE FANDEN BEGEISTERTE ZUSTIMMUNG. OVATIONEN GAB ES VOR ALLEM FÜR KATERINA HEBELKOVA.
VON WERNER MATTHES
OLDENBURG -
Entscheidender aber sind die Charakterprofile großen Formats – in Szenen, in denen es um das Ganze geht: Chaos und Aufrichtigkeit des Gefühls, Glückshoffnungen und den zerstörenden Schmerz der
Liebe. Da wird, Ergebnis einer pychologisch vertieften Personenregie, so packend agiert und gesungen, dass man das Ambiente manchmal darüber vergisst.
Katerina Hebelkova macht die Tragik einer ständigen Sitation „an den Grenzen“, darstellerisch wie im Einsatz großartig expressiver stimmlicher Mittel, bedrängend real; sie macht, in Selbstvorwürfen
wie mit der Flucht in den Putzteufel etwa, ihre Opferrolle erfahrbar, wird somit
unversehens zum (weiblichen) Protagonisten.
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"Figaros Hochzeit" am Linzer Landestheater: Musikalisch umjubelt
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Von: WOLFGANG KATZBÖCK
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Linz (APA) - Mit einem Klassiker der Opernliteratur will das Landestheater Linz nicht nur Opernfans erfreuen, sondern auch neues Publikum gewinnen. "Le nozze di Figaro" von
Wolfgang Amadeus Mozart hatte am Samstagabend Premiere und wurde zu einem besonders musikalisch umjubelten Erfolg.
Opern- und Orchesterchef Dennis Russell Davies lieferte mit dem Bruckner Orchester Linz und den durch die Bank erfreulichen Solisten eine farbenprächtige Interpretation der
zahlreichen Mozart'schen "Ohrwürmer". Optisch hingegen herrschte - abgesehen von ein paar hübschen Kostümen - auf der Bühne graues Einerlei.
Überragend im munteren Spiel und mit stimmlicher Brillanz wurde Anja-Nina Bahrmann als Susanne besonders gefeiert. Als Gräfin wusste Christiane Bösiger vor allem ihre große
Arie im 3. Akt ("Dove sono i bei momenti") eindrucksvoll zu gestalten. Jugendlich ungestüm - auch in den reichlichen Bettszenen - gaben Martin Achrainer den Grafen und Steffen Rössler den Figaro.
Gewollt oder eher vom Typ her spielte allerdings Figaro seinen Herrn an die Wand und ließ ihn untergeordnet erscheinen.
Katerina Hebelkova war ein fibrierender Cherubino und mit Karen Robertson (Marcellina), William Mason
(Bartolo) und Matthäus Schmidlechner (Basilio) wurden köstliche Charaktere aufgeboten. Der hübsche Einfall, die Partie der Barbarina von einem jungen Mädchen singen zu lassen, hatte in Nadine
Follrich eine erfreuliche Interpretin.
Als Regisseur sorgte Oliver Tambosi besonders zu Beginn für hektisches Treiben auf der Bühne - schon während der Ouvertüre - und ließ die Protagonisten das die Bühne
dominierende große Doppelbett sozusagen nicht auskühlen. Wenig herrschaftlich gestaltete Frank Philipp Schlößmann Almavivas Schloss, als etwas zusammengenagelt erscheinendes einheitliches Bühnenbild
für alle vier Akte. Das ließ leider das Verwirrspiel - im nächtlichen Park - des 4. Aktes unglaubwürdig erscheinen. Die zeitlose Zuordnung dieser bissigen wie köstlichen Abrechnung mit Macht und
Willkür fand auch in den Kostümen Ausdruck: Negligés bei den Damen, Anzug mit Krawatte oder - wenn nicht - Unterhose und Leintuch bei den Herren.
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Landestheater LINZ: LE NOZZE DI FIGARO am 28.3.2009
Der in Linz schon oft mit guten Produktionen tätige Regisseur Olivier Tambosi hat sich (Premiere am 14. 2. 2009) nun auch diesen großen Klassiker vorgenommen; das Design
(Bühne und Kostüme: Frank Philipp Schloßmann) ist "Marke zeitlos", die Bühne ist hauptsächlich durch einen Saal bestimmt, der eine Art Fachwerkstruktur aufweist – allerdings wie
von Piet Mondrian entworfen. Ganz perfekt ist die Welt des Grafen Almaviva nicht mehr, das Dach hat ein Loch. Figaros und Susannas künftige Kammer ist durch Stellwände
bezeichnet.
Tambosi erlaubt sich keine Freiheiten mit der Handlung; seine Personenführung erfordert solides komödiantisches Können, und über das verfügen die Sängerinnen und
Sänger auch ausnahmslos: Der Graf von Isaac Galán ist stimmlich beeindruckend, kraftvoll und schön timbriert, dabei so leicht und beweglich, wie es Mozart erfordert –
sozusagen eine Luxus-Zweitbesetzung (Martin Achrainer sang die Premiere). Seine Gattin wird von Christiane Boesiger mit ebenso großem Gefühl wie eleganter Phrasierung
verkörpert. Anja Nina Bahrmann ist eine aufgeweckte, sehr gute Susanna, der aufmüpfige Figaro Steffen Rössler; im ersten Akt hatte er leider kleine
Probleme mit der Stimme, sang sich aber dann frei und konnte den Rest des Abends seine volle, in dieser Rolle beachtliche Leistung bringen. In diesem sehr guten Ensemble trotzdem noch hervorstechend
an musikalischer Eleganz und mit einer wunderbaren, leicht eingedunkelten Stimme (ein Hauch von Kathleen Ferrier?) gesegnet: Katerina Hebelkova als auch schauspielerisch
optimaler Cherubino. Der stimmlich wie schauspielerisch immer sehr verlässliche Henry Mason gab einen köstlichen Bartolo, und die bislang in großen dramatischen Rollen wie
Santuzza und Tosca an der Bühne erfolgreiche Karen Robertson zeigte als Marcellina ihre Fähigkeiten als köstliche Charakterkomikerin. Auch der Basilio war
mit Mark Calvert (statt Matthäus Schmidlechner) als aalglatter Intrigant in der zweiten, aber nicht zweitklassigen Besetzung auf der Bühne.
Ein wahrhaft toller Tag für Mozarts Adelige
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Quirlige Sinnlichkeit: Katerina Hebelkova (Cherubino), Anja-Nina Bahrmann (Susanna) in Linz. Foto: Norbert Artner
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Von Ernst Scherzer

Auch die jüngste Premiere
am Landestheater bestätigt: Linz kann auch abseits seines Kulturhauptstadt-Programms punkten. Olivier Tambosi nahm als Opernregisseur jene Worte ernst, die über Beaumarchais’ Vorlage zu Mozarts
"Figaro" stehen: nämlich "Der tolle Tag".
Worum es dabei vor allem geht, wird in der Neuinszenierung schon beim Aufgehen des Vorhangs, während der Ouvertüre klar: Eine in ihrem Liebesleben unbefriedigte Gräfin und ihr fremdgehender
Ehemann, dazu der lüstern und intrigant die Szene umschleichende Basilio sind die Hauptfiguren in diesem sinnlichen, komischen, trotz zahlreicher Entkleidungen nie peinlich-abstoßenden Spiel um
erotische Verwirrungen.
Spaßige Wendungen
Dafür sorgen im zeitlosen Einheitsbühnenbild (Frank Philipp Schlößmann), in dem die Darsteller selbst Versatzstücke umherschieben, manche verblüffende Auftritte und Abgänge. Und freilich
– wie schon bei Mozart – nicht zuletzt der Knabe Cherubino, der hier in Gestalt und Stimme von Katerina Hebelkova
geradezu ideal besetzt ist. Ansehnlich ist der Graf von Martin Achrainer, stimmlich nicht ganz ebenbürtig die wunderschöne Gräfin von Christiane Boesiger. Anja-Nina Bahrmanns vermittelt
als Susanne auch gesangliche Reinheit, ebenso Nadine Follrich als Barbarina.
Wären auch alle übrigen Rollen so stimmig besetzt, müsste die mit viel Heiterkeit bejubelte Aufführung mit der höchsten Note bewertet werden. Im gegebenen Fall verdient sich dieses Prädikat
jedenfalls auch noch das Bruckner-Orchester, das von Dennis Russell Davies – auch vom Cembalo aus – mit einer duftig-leichten und dennoch vorantreibenden Interpretation geleitet wird.